Elsevier verschlechtert Open Access-Möglichkeiten

Elsevier gehörte bisher zu den Verlagen, die erlaubten, dass ein Final Draft eines Artikels (inhaltlicher Stand nach der Review) unmittelbar nach dem Erscheinen in einem institutionellen Repositorium eingestellt werden konnte (Grüner Open Access). Diese Policy wurde kürzlich von Elsevier neu definiert, es gilt nun ein Embargo von wenigstens 12 Monaten.
Die Neuformulierung der Policy hat breiten Protest hervorgerufen. Die Confederation of Open Access Repositories (COAR) hat eine Erklärung (Statement against Elsevier’s sharing policy) veröffentlicht, in der es heißt:

“As organizations committed to the principle that access to information advances discovery, accelerates innovation and improves education, we support the adoption of policies and practices that enable the immediate, barrier free access to and reuse of scholarly articles. This policy is in direct conflict with the global trend towards open access and serves only to dilute the benefits of openly sharing research results.
We strongly urge Elsevier to reconsider this policy and we encourage other organizations and individuals to express their opinions.”

Diese Erklärung ist inzwischen von zahlreichen Organisationen und Einzelpersonen weltweit unterzeichnet worden.

Elsevier argumentiert dagegen, dass es ja weiter eine Möglichkeit gäbe Artikel sofort offen zugänglich zu machen und bewirbt seine hybrides Programm:
“For authors who want free immediate access to their articles, we continue to give all authors a choice to publish gold open access with a wide number of open access journals and over 1,600 hybrid titles.”
Hybrider Open Access wird das Angebot verschiedener Verlage genannt, bei dem angeboten wird, einzelne Artikel in Subskriptionszeitschriften freizukaufen. Hybride Angebote in der momentan von den Verlagen angebotenen Form werden weltweit kritisch gesehen.
Vor allem aus drei Gründen wird davon abgeraten:
– In vielen Fällen ist eine Zweitveröffentlichung im Sinne des Grünen Open Access möglich. (Hier greifen nun die Embargos der neuen Policy von Elsevier).
– Verglichen mit den Article Processing Charges (APC) von Open Access-Zeitschriften, sind die anfallenden Gebühren meist unverhältnismäßig teuerer.
– Wenn Bibliotheken die Zeitschrift bereits subskribieren, bezahlt die Institution doppelt.
In den Helmholtz-Empfehlungen zum Umgang mit Open Access-Publikationsgebühren heißt es explizit: “So genannte hybride Open-Access-Modelle (z.B. Springer Open Choice oder Elsevier Sponsored Articles) sollten nicht unterstützt werden, um eine Doppelfinanzierung zu vermeiden.” Ähnlich formuliert es die DFG.

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