Urheberrecht: Wissenschaftliche Autoren stärken

Die Website iRights.info sammelt aktuell Meinungen zur Zukunft des Urheberrechts. Täglich wird ein Statement zum Thema veröffentlicht. Heute kommt Helmholtz-Kollege Frank Scholze zu Wort. Der Leiter der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) fordert in seinem Beitrag die Berücksichtigung der Anforderungen von Forschung und Lehre an ein zeitgemäßes Urheberrecht:

“Der wissenschaftliche Autor und seine Bedürfnisse im digitalen Zeitalter müssen bei der zukünftigen Ausgestaltung des Urheberrechts berücksichtigt werden. Der Transfer von Wissen und Information in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft darf nicht behindert werden.”

Weiter beschreibt er die Bedeutung von Open Access für eine digital arbeitende Wissenschaft. Dieser Aspekt wird auch in anderen Statements aufgegriffen. So skizziert beispielsweise Harald Müller vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht die Forderung der Wissenschaftsorganisationen nach einem Zweitveröffentlichungsrecht.

Dieses Recht, welches in § 38 UrhG verankert werden soll, würde es Wissenschaftlern gestatten, Aufsätze nach einer angemessenen Embargofrist im Originallayout auf einem Open-Access-Repositorium zu veröffentlichen. Ein im Urheberrecht verankertes Zweitveröffentlichungsrecht, das natürlich keinerlei Pflicht für Wissenschaftler impliziert, ist aus Sicht der Wissenschaftsorganisationen notwendig, um Wissenschaftler in ihrer Position gegenüber wissenschaftlichen Verlagen zu stärken. Ein wissenschaftlicher Autor erhält durch ein gesetzlich verankertes Zweitveröffentlichungsrecht die Möglichkeit, selbst über den Grad der Sichtbarkeit seiner Forschungsergebnisse zu entscheiden.

Die Forderung nach einem Zweitveröffentlichungsrecht wird u.a. von SPD– und LINKE-Fraktion unterstützt. Beide Parteien haben dazu in diesem Frühjahr Gesetzesanträge in den Bundestag eingebracht.

Das Bundesministerium der Justiz bereitet aktuell den Referentenentwurf zur Novellierung des Urheberrechts (s. g. Dritten Korb) vor. Die ehemalige Bundesministerin für Justiz Brigitte Zypries erinnerte in einem kürzlich veröffentlichten Interview an den ursprünglichen „Wissenschaftskern“ des Dritten Korbs.

Die Wissenschaftsorganisationen haben im April ein umfangreiches Positionspapier (PDF) veröffentlicht, in dem die Forderungen auf Basis der aktuellen Diskussion ausgeführt werden.

Es ist zu hoffen, dass die von Scholze beschrieben Notwendigkeit des funktionierenden Transfers von Wissen und Information in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zukünftig nicht weiter durch die Fokussierung auf den kommerziellen Verwerter behindert wird.

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