Science-Artikel zu Peer Review und Open Access

Der jüngst in Science veröffentlichte „sting“ von Bohannon zum Thema Qualitätssicherung und Open Access hat einige Diskussionen ausgelöst. Bohannon hat ein fingiertes Manuskript bei 304 Open-Access-Zeitschriften eingereicht. 157 der Journale haben diesen recht offensichtlich gefälschten Artikel angenommen. 98 Zeitschriften haben das Paper abgelehnt. Von den verbleibenden 49 Zeitschriften kam entweder keine Antwort oder die Manuskriptprüfung wurde bis zum Ende des Untersuchungszeitraumes nicht abgeschlossen. Von den 304 ausgewählten Zeitschriften wurden 167 im Directory of Open Access Journals (DOAJ)  und 121 in der Liste der „Predatory Scholarly Open-Access Publishers“ von Jeffrey Beall gelistet.

Die Aktion von Bohannon macht deutlich, dass es im Open-Access-Bereich ein Problem mit unseriösen Verlagen gibt. Häufig stammen diese aus Schwellenländern, versenden Massenmails an potenzielle AutorInnen und versuchen sich über das Geschäftsmodell der Publikationsgebühren am Open-Access-Markt zu beteiligen.

Der Test von Bohannon zeigt jedoch nicht, dass Open Access als Publikationsmodell ein Qualitätsproblem hat. Da das Paper bei 121 Zeitschriften eingereicht wurde, die sich auf der Beall-Liste befinden, überrascht das Ergebnis nicht. Insbesondere zeigt der Versuch nicht, dass die Qualitätssicherung bei Closed-Access-Zeitschriften besser funktioniert, da Bohannon seinen Test auf Open-Access-Zeitschriften beschränkt hat. Diese methodischen Probleme (fehlende Kontrollgruppe und systematischer Fehler in der Auswahl der Journals) wurden bereits vielfach kritisiert.

Während Verlage wie PLOS oder Hindawi das fingierte Manuskript abgelehnt haben, wurde das Paper von Zeitschriften etablierter Verlage wie Elsevier und Wolters Kluwer angenommen. Dies zeigt, dass es falsch wäre, aus dem Test den Schluss zu ziehen, dass Open-Access-Publikationen minderwertig seien.

Dass es einige zwielichtige Verlage gibt, die sich auf das Geschäftsmodell der Publikationsgebühr stützen, ist sehr ärgerlich. Zeitschriften, die inadäquat Artikel veröffentlichen, gewinnen kein Renommee und werden sich längerfristig nicht etablieren können. AutorInnen sollten ihre Publikationsorgane immer mit Bedacht auswählen. Anliegen sollte es immer sein, ein Forschungsergebnis in einem Journal zu veröffentlichen, das dem jeweiligen Forschungsergebniss die optimale Öffentlichkeit garantiert. Wird dieser Grundsatz beachtet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Publikation bei einem der „Predatory Scholarly Open-Access Publishers“ eingereicht wird sehr gering.

Wichtig ist zudem, dass das Open-Access-Publizieren neue Formen der Qualitätssicherung, z. B. Open Peer Review ermöglicht. Diese können dazu beitragen, den beschriebenen Missbrauch bzw. Defizite in der Qualitätssicherung einzuschränken.

This entry was posted in Open Access, Publizieren. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*


5 × five =

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>